Der Kongress für Zukunftsgestalter – 11. und 12. November in Graz

Schulz Iren

Vita

Dr.in Iren Schulz ist Kommunikationswissenschaftlerin, Medienpädagogin und Dozentin an der Universität und der Fachhochschule Erfurt. Sie hat an der Universität Leipzig Kommunikations- und Medienwissenschaft schwerpunktmäßig am Lehrstuhl für Medienpädagogik und Weiterbildung sowie Erziehungswissenschaft studiert und an der Universität Erfurt zum Wandel von Sozialisation und Digitale Medien promoviert. Iren Schulz verfügt über umfangreiche Projekt- und Forschungserfahrungen im Bereich der Kinder- und Jugendmedienforschung und führt Workshops, Fortbildungen und medienpädagogische Praxisprojekte mit Eltern, Lehrenden, JugendarbeiterInnen und MultiplikatorInnen durch. Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei die Ressourcen und Risiken digitaler Medien sowie die damit verbundene Medienkompetenzförderung in Elternhaus, Schule und Freizeit.

Vortrag

»Spieglein, Spieglein an der Wand…« Identität schaffen im digitalen Zeitalter 

Inhaltliche Eckpunkte: Wer bin ich und wie möchte wahrgenommen werden? Wie möchte ich sein als Mann oder Frau? Von wem grenze ich mich ab und wer soll zu mir gehören? Unter anderem diese entwicklungsspezifischen Fragenstehen im Jugendalter im Mittelpunkt und werden schon immer auch mit und über Medien beantwortet. Mit dem Smartphone und den darauf bezogenen Social Media-Anwendungen, die Jugendliche kontinuierlich, zeit- und ortsunabhängig nutzen, hat sich das Bearbeiten dieser Entwicklungsaufgaben in Social Media Anwendungen wie Instagram, Facebook oder TikTok (ehemals Mucial.ly) verlagert. Jugendliche leben darüber eine Form von Öffentlicher Persönlichkeit aus, bei der sich bisherige Vorstellungen und Grenzen von Privatheit und Öffentlichkeit verschieben. Über die Medien des Zeigens und Sehens etablieren Mädchen und Jungen Bildpraktiken, die in einer inszenierten Authentizität münden: Jede(r) ist stets bemüht, »das beste Bild« von sich abzuliefern: in Bezug darauf, wie man sich fühlt und wie man aussieht, mit wem man befreundet und unterwegs ist, was man in der Freizeit tut oder was man isst und anzieht. Für Jugendliche scheinen diese Praktiken dann problematisch zu werden, wenn die in den sozialen Medien verbrachte Zeit zu lang wird. Mehrere Studien bestätigen, dass vor allem in der frühen Adoleszenz eine ausgiebige Verweildauer in Sozialen Medien mit negativen Stimmungen und einer negativen Wahrnehmung von sich selbst verbunden sind. Der Druck, immer happy, immer schön und immer aktiv zu sein, entsteht also da, wo die optimierte Darstellung in den Medien kein ausreichendes Regulativ und keinen Ausgleich in der Offlinewelt erfährt. Für die Frage von Prävention wird demzufolge auch hier deutlich, dass ein gesundes zeitliches Mittelmaß, vor allem aber auch die Fähigkeit, mediale Bilder kritisch zu hinterfragen und zu durchschauen, maßgeblich sind.

Praxisforum

»Der Spiegelbild-Effekt« Social Media & Identitätsarbeit im Jugendalter

Inhaltliche Eckpunkte: Der Begriff »Looking-glass self« bzw. Spiegelbildeffekt beschreibt das Selbstkonzept als sich entwickelnde Folge der wahrgenommenen Eindrücke und Bewertungen im sozialen Miteinander. Der Begriff wurde 1902 von Charles Cooley eingeführt. Nach seiner Auffassung entwickelt sich der Mensch zu einem sozialen Wesen, indem er sich fortwährend mit der Frage beschäftigt, wie er aus der Sicht der anderen erscheint. Durch den Blick in einen imaginären Spiegel und das damit verbundene Nachdenken über sich selbst aus der Perspektive anderer Personen entsteht eine Selbstidee, die drei Hauptelemente enthält: Vorstellungen über die eigene Erscheinung aus der Perspektive der anderen sowie Vorstellungen über deren Bewertung und damit verbundene Selbstgefühle wie Stolz oder Kränkung. Mit Blick auf die Selbstdarstellung von Jugendlichen und die damit verbundene Spiegelung der eigenen Identität(sentwicklung) in und über Social Media–Anwendungen ergeben sich veränderte und neue Fragen bzw. Herausforderungen. Im Workshop soll Raum für Erfahrungsaustausch und Diskussion sein. Außerdem werden Möglichkeiten der Prävention mittels der Methode der Aktiven Medienarbeit (Stop Motion und Comic Life) vorgestellt und erprobt sowie Tipps für die praktische Arbeit sowie Link- und Literaturhinweise gegeben.