Dr. Hans-Jörg Keller

Vita

Dr. Hans-Jörg Keller, 59, arbeitet seit 30 Jahren als Trainer, Coach und Berater für Wirtschaftsunternehmen und internationale Organisationen. Seine thematischen Schwerpunkte sind die Entwicklung von Führungskräften, internationale Trainingsprogramme, virtuelle Kooperationen und interkulturelle Trainings.

Er hat in Köln, Florenz und Rom Zeitgeschichte studiert und lange über Kolonialgeschichte geforscht. Anschließend absolvierte er zahlreiche psychologische Ausbildungen zum Trainer und Coach in den Niederlanden, Großbritannien, den USA, Brasilien und Deutschland. Mittlerweile hat er in 30 verschiedenen Ländern mit Führungskräften, Projektmanagern und Fachkräften gearbeitet. Dabei versucht er stets, seine eigenen Werte wie Respekt, Toleranz, Empathie, Wertschätzung für den Anderen und die Bedeutung von Diversity und kultureller Vielfalt in der globalen Zusammenarbeit zu vermitteln.

Dr. Hans-Jörg Keller lebt in Köln und hat in Marechal Cândido Rondon in Südbrasilien seine zweite Heimat.

Input

Teil 1: Die Bilder in unserem Kopf: Stereotypen, Vorurteile, Diskriminierung

Theorie: Die Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen im Gehirn

Interaktion: Austausch über eigene Stereotypen und Vorurteile in den Breakout Sessions

Teil 2: Die Konstruktion und die Verankerung von Vorurteilen: Das Beispiel Rassismus

Theorie: Die Konstruktion von Rassismus und ihre Folgen

Interaktion: Austausch über Rassismus im eigenen beruflichen und privaten Umfeld in den Breakout Sessions

Teil 3: Prävention: Wie stärken wir den Respekt vor Menschen aus anderen Kulturen?

Theorien und Ansätze zu Prävention und Intervention

Respekt vor Menschen aus anderen Kulturen

Wie wir Voreingenommenheit und Vorurteile reflektieren und abbauen können

Seit vor langer Zeit die ersten Gruppen von Menschen von Afrika aus die Welt eroberten, orientieren wir uns am Gegensatz Wir und die Anderen. Das Wir gibt uns Sicherheit, Identität und Kontinuität. Die Beziehung zu den Anderen war hingegen stets ambivalent. Auf der einen Seite wurden sie oft als Gegner im Kampf um Ressourcen gesehen, als Bedrohung der Wir-Kultur wahrgenommen und in verschiedensten Formen abgewertet. Das hat im Laufe der Evolution unsere Wahrnehmung und die Entwicklung unseres Gehirns so stark beeinflusst, dass es sich in der Wahrnehmung von Menschen aus anderen Kulturen meist unbewusst an Stereotypen und Vorurteilen statt an rationalen Betrachtungen oder objektiven Daten orientiert. Auf der anderen Seite übten die Anderen immer auch eine Faszination aus. Seit frühester Zeit konnte man von ihnen lernen und dadurch die eigene Wir-Kultur bereichern und weiterentwickeln.

Wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit stehen wir nun im 21. Jahrhundert mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt. Viele arbeiten beruflich mit Kollegen oder Kunden aus anderen Kontinenten, reisen im Urlaub um die Welt und sind durch globale soziale Netzwerke mit zahlreichen Menschen aus anderen Ländern vernetzt. In vielen Ländern haben Migranten die traditionelle Wir-Kultur – unser Land, unsere Sprache, unsere Werte, unsere Traditionen – spürbar verändert und bereichert. Und bei vielen politischen Themen wie Ökologie, Wirtschaft, Sicherheit und Frieden, Migration oder dem Kampf gegen die Armut ist uns bewusst, dass wir wichtige Fragen nur in Kooperation mit Menschen aus anderen Ländern lösen können. Das führt uns die Corona-Pandemie gerade eindrücklich vor Augen.

Während die meisten von uns aber rational die Bedeutung der globalen Zusammenarbeit und des friedlichen Zusammenlebens von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen verstehen und bejahen, stehen uns gleichzeitig emotional unsere Widerstände gegen die Anderen immer wieder im Wege. Es reichen kleinste Konflikte, und traditionelle Voreingenommenheit und alte Vorurteile werden sofort wieder handlungsleitend.

Wenn wir die Zukunft unseres Planeten für die nächsten Generationen der Menschheit gemeinsam gestalten wollen, ist es immens wichtig, diese zu erkennen und abzubauen. Ich werde in meiner Präsentation zeigen, wie das möglich sein kann. Zunächst werde ich dabei auf die Dissonanz von rational-analytischer Reflexion und impliziten Assoziationen eingehen, die durch Bilder tief in unserem Gehirn gespeichert sind. Ich werde dann am Beispiel von weißer und dunkler Hautfarbe zeigen, wie die Dominanz der weißen Wir-Kultur gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe seit Jahrhunderten rechtfertig und bis heute durchgesetzt wird. Mit all den Aspekten, die die ‚Black lives matter‘-Bewegung gerade zurecht kritisiert.

Darauf aufbauend werde ich dann analysieren, inwieweit die gleiche Voreingenommenheit auch unser eigenes Denken als Mitglieder der weißen Wir-Kultur beeinflusst. Und ich werde Möglichkeiten aufzeigen, wie wir unsere eigenen abwertenden Assoziationen über die Anderen reflektieren und durch eine positivere Wahrnehmung ersetzen können.

Praxis

Anschließend freue ich mich sehr darauf, den einen oder anderen Aspekt mit Ihnen zu diskutieren. Diskussion und Chat: Das Teilen von weiteren Ideen, Projekten und Erfahrungen