Dokumentation » Kongress 2010
Der 2. Österreichische Präventionskongress 2010
Günther Ebenschweiger
Geschäftsführer von aktivpraeventiv – Plattform
für Kriminalprävention Wissenstransfer
und Vernetzung GmbH.
„Das geht zu weit“ – Wie begegnen wir Grenzüberschreitungen
von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen?
Diesem Titel des 2. Österreichischen Präventionskongresses gingen monatelange Besprechungen, Diskussionen und Auseinandersetzungen mit dem Thema „Grenzüberschreitung“ voraus.
Was ist überhaupt eine Grenzüberschreitung, wo fängt eine solche an, wer ist davon betroffen, können Grenzüberschreitungen auch durch Inaktivität begangen werden, welche Auswirkungen ergeben sich daraus für Eltern, PädagogInnen, SozialarbeitInnen, KindergärtnerInnen, dem Gesundheitsbereich, für die Polizei und Justiz u.a.
Uns war bewusst, welches komplexe Thema wir in diesen Titel „verpackt“ hatten und genauso professionell haben wir darauf reagiert.
In insgesamt 28 Workshops und Praxisforen haben 27 ReferentInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz interdisziplinär eine intensivere Vernetzung und Kooperation für die Zielgruppen aus den Bereichen Erziehung, Bildung, Gesundheit, Soziales und Sicherheit angestrebt, Fort- und Weiterbildung für diese gesellschaftlichen Bereiche angeboten, Kriminalprävention und Gesundheitsförderung von der Theorie bis zur Praxis in diesem Handlungsgebiet aufgezeigt und Handlungsanleitungen, Lösungsvorschläge und Strategien angeboten und diskutiert.
Erfolg
Der Erfolg dieses Kongress lässt sich daher
- an den TeilnehmerInnen-Zahlen – am 1. Tag haben 420, am 2. Tag 300 Interessierte aus den angesprochenen Bereichen und weitere 250 Kinder und Jugendliche teilgenommen,
- in den zahlreich ausgefüllten Feedbackbögen
- an den Zugriffsdaten auf die website www.praeventionskongress.at (über 38.000 Zugriffe),
- durch die Berichterstattungen in den verschiedensten Medien,
- den vielen Verlinkungen zu unsere Website,
- der finanziellen Unterstützung durch die Politik – Stadt Graz, Bgm. Mag. Siegfried Nagl, das Land Steiermark, LH Mag. Franz Voves, das Innenministerium, BMin Mag.a Dr.in Maria Fekter und dem Fonds Gesundes Österreich, Mag.a Christa Peinhaupt und
- den vielen positiven persönlichen Rückmeldungen und Anmeldungen zum neuen Newsletter erkennen.
Aber es ist nicht alles Gold was glänzt …
Vernetzung
Die verschiedensten Themen in den Bereichen Kriminalprävention und Gesundheitsförderung erlangen immer mehr an Bedeutung.
Es arbeiten in den unterschiedlichen Präventionsdisziplinen eine beeindruckende Anzahl von Menschen/Projekten/Initiativen und trotzdem wissen Akteure häufig wenig von den Aktivitäten der jeweils anderen Präventionsdisziplin und kooperieren oft noch weniger miteinander, obwohl methodisch betrachtet nicht selten fast identisch gearbeitet wird.
Es liegt also nahe, mit den Akteuren aus dem Bildungs-, dem Sozial- dem Gesundheits- und dem Sicherheitsbereich, gleichzeitig aber auch mit der Politik und den Medien, gemeinsam nach Wegen zu suchen, präventive Bemühungen zielgerichteter und effektiver einzusetzen.
Gemeinsame Herausforderungen und Probleme
unterschiedlicher Präventionsbereiche
Nach wie vor werden die meisten Präventionsansätze von unterschiedlichen Trägern organisiert und aus ebenso unterschiedlichen Quellen finanziert, obwohl alle „Präventionsdisziplinen“ vor den gleichen Herausforderungen stehen:
- Bildungsferne Schichten zu erreichen,
- frühe und vernetzte Hilfen anzubieten,
- sektorenübergreifend und interdisziplinär zu arbeiten,
- geschlechtergerecht und kulturspezifisch zu arbeiten
- eine solide Finanzierungsbasis herzustellen,
- Qualitätsstandards zu entwickeln und zu implementieren.
Die benannten Gemeinsamkeiten, was Ziele, Strategien, Interventions-Orte und Qualitätsprobleme anbelangt, werden von den jeweiligen Akteuren jedoch bislang nur unzureichend wahrgenommen.
Die Ressortverhaftetheit der unterschiedlichen Präventionsbereiche und die Zersplitterung der Zuständigkeiten zwischen Bund, Länder und Gemeinden erschwert eine engere Zusammenarbeit zusätzlich.
Die Einsicht, dass mehr Vernetzung notwendig ist, wird von MinisterInnen, Landeshauptleuten, BürgermeisterInnen und verschiedenen Präventionsträgern mittlerweile zumindest betont.
Dies hat aber bisher noch nicht dazu geführt, auch von monothematischen Präventionskonzepten abzurücken und Ressourcen für Prävention gemeinsam einzusetzen.
Finanzierung
Wie auf europäischer Ebene mittlerweile sehr gut umgesetzt, ist es – aber nur durch einen gemeinsamen beschrittenen Weg – möglich, trotz enger finanzieller und personeller Ressourcen, die Qualität von Prävention zu steigern.
Ziel muss sein, ein Netzwerk für eine kontinuierliche problemnahe und „kleinteilige“ Präventionsarbeit zu schaffen. Es geht dabei primär um die Stärkung vorhandener Strukturen und die Vermeidung von Parallelstrukturen, um eine optimale Nutzung der existierenden Ressourcen und Synergieeffekte zu erreichen.
Aber genau diese Vermeidung von Parallelstrukturen scheitert häufig am grünen Tisch entwickelter Konzepte, die von außen an soziale Strukturen herangetragen werden.
Gut gemeinte, aber für die entscheidenden Zielgruppen völlig wirkungslose Kampagnen sind politisch leider noch immer leichter durchzusetzen als kontinuierliche, langfristige Basisarbeit vor Ort, weil solche Kampagnen nur „intern“ abgestimmt werden müssen, überschaubare Finanzvolumina verschlingen und ein gewisses Maß an positiver Botschaft vermitteln, mit dem man gerne vor die Presse tritt.
Aber nicht nur Strukturen verhindern qualitätsvolle Prävention, sondern auch ein offensichtliches großes Maß an Unverständnis.
So ist es uns in drei Jahren nicht gelungen, die Wirtschaft mit ins Boot zu holen. Was in Deutschland und anderen europäischen Staaten mittlerweile „gang und gäbe“ ist – große Konzerne unterstützen jährlich langfristig Präventionsarbeit, um eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Präventionsarbeit zu leisten – war bisher in Österreich nicht einmal in kleinen Ansätzen möglich.
Der Österreichische Präventionskongress – vielleicht ist uns das noch nicht gelungen verständlich zu kommunizieren – ist kein Kongress im „herkömmlichen“ Sinn, sondern ein Österreich weites Konzept, das für die Zielgruppen, Kinder, Jugendliche, Eltern bis zu hin den SeniorInnen, ExpertInnen aus den Bereichen Bildung, Soziales, Gesundheit, Sicherheit usw. interdiszplinär vernetzt, um für Österreich und die angeführten Zielgruppen eine nachhaltige, qualitativ hochwertig, aber gleichzeitig ressourcenschonende Prävention sicherzustellen.
Kooperation
Kooperation und Vernetzung sind in den letzten Jahren in fast allen gesellschaftlichen nationalen wie europäischen Bereichen zu Zauberwörtern geworden, die verdeutlichen, dass einerseits auf die zunehmende Komplexität gesellschaftlicher Prozesse reagiert werden muss und andererseits Synergieeffekte erzeugt werden sollen.
Ich freue mich, dass das Kooperations- und Vernetzungsnetz im Bereich der Prävention mit Deutschland – und auch immer mehr mit der Schweiz –im Sinne von Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit auch europaweit einen immer größeren Stellenwert einnimmt.
Ich bin überzeugt, dass dieser Weg auch in Österreich möglich sein muss!
Zusammenfassung
Der Präventionskongress 2010 hat mit dem Thema „Das geht zu weit“ – Wie begegnen wir Grenzüberschreitungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen? erfolgreich aufgezeigt, welche persönlichen, strukturellen, gesellschaftlichen, politischen und medialen Anforderungen bzw. Annäherungen in Österreich zum Thema „Prävention für Österreich“ erforderlich sind und hat gemeinsam österreichische Präventions- und Interventionsstrategien mit europäischen Betrachtungen überlegt, diskutiert, festgeschrieben und veröffentlicht.
„Nicht in Zuständigkeiten, sondern in Verantwortungen denken“ ist mein Lebensmotto und dem bleibe ich als Mensch, als Polizist, als Leiter des Österreichischen Zentrums für Kriminalprävention und als Veranstalter des Österreichischen Präventionskongresses auch in Zukunft treu und freue mich über jeden, der einen Teil des Weges mit mir geht!
Günther Ebenschweiger














