Dokumentation » Auftaktveranstaltung
„Ich werde es sagen!“
Der 2. Österreichische Präventionskongress mit dem Thema „Das geht zu weit! – Wie begegnen wir Grenzüberschreitungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen?“ am 24. und 25. November 2010 startete im Rahmen einer Auftaktveranstaltung mit dem Präventionsstück gegen sexuellen Kindesmissbrauch „Ich werde es sagen!“ – und rund 120 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Bildung, Politik, Soziales, Gesundheit und Sicherheit waren der Einladung gefolgt.
Aber auch Eltern und weitere Interessierte haben die Gelegenheit wahrgenommen, Einblicke in das unermessliche Leid eines Jungen und in die psychologischen Methoden eines pädosexuellen Täters zu erfahren!
Sexueller Missbrauch/Pädosexualität – ein Thema, das jeden angeht!
Trotz der harten Thematik macht das Stück vor allem Hoffnung. Denn es ist die Hoffnung, durch die Kristian sich am Ende aus seiner Hilflosigkeit befreien kann. Eine zuweilen verzweifelte, zuweilen brüchige Hoffnung – doch am Ende rettet sie sein Leben.
In einem eindrucksvollen Monolog von Reinhard Gesse, Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück, wurde Kristians Selbstzeugnis für die Bühne mit fachlicher Beratung durch Dunkelziffer e. V. dramatisiert – auch für ein erwachsenes Publikum.
Warum haben wir dieses Stück gewählt?
Das Stück und Programm „Ich werde es sagen“ ist nicht nur ein aktuell gesellschaftliches Thema, sondern stand im Rahmen dieser Auftaktveranstaltung stellvertretend für die vielen, vielfach massiven Grenzüberschreitungen, denen wir uns im Rahmen des 2tägigen Präventionskongresses mit vielen europäischen ExpertInnen in 28 Workshops und Praxisforen gewidmet haben.
„Ich werde es sagen“ zeigt Einblicke in das unermessliche Leid eines Jungen und in die psychologischen Methoden eines pädosexuellen Täters und weist auf „Prävention als Opferschutz“, das zentrale Thema der Vorträge, Workshops und Praxisforen im Rahmen des 2. Österreichischen Präventionskongresses hin.
„Ich werde es sagen. Ich werde es den Erwachsenen sagen“ – endlich sagen, was der Mann, der neben dem neunjährigen Kristian im Bett liegt, ihm antut.
Es ist ein Eid, ein Gelöbnis, ein selbst auferlegter Fluch, das Schweigen zu brechen.
20 Jahre mussten vergehen, bevor Kristian Jensen über seine Verletzungen sprechen konnte: Dann entstand ein schonungsloses Selbstzeugnis, der packende Bericht einer missbrauchten Kindheit, getragen von der bewegenden Offenheit eines Opfers.
Fragen nach dem Warum?
Wie kommt es dazu, dass ein Einzelkind von überdurchschnittlicher Intelligenz drei Jahre lang seinen Eltern nicht erzählt, wie schrecklich es leidet?
Wie kommt es dazu, dass der Junge all dies mit sich geschehen ließ, was ihm eindeutig zuwider war, ohne sich aus dem Griff, z.B. durch ein Gespräch mit den Eltern, befreien zu können?
Fragen über Fragen!
Kinder vertrauen Erwachsenen. Vor allem jene, die sie gern haben. Das auszunutzen ist eines der infamsten Verbrechen an der kindlichen Seele. Viele Opfer schweigen. Sie bleiben gefangen in der verhängnisvollen Spirale aus Schuldgefühlen und Scham, Selbsthass und Ekel, Verzweiflung und Angst. Zusätzlich verstehen es die Täter, ihre Opfer so zu manipulieren und unter Druck zu setzen, dass sie ihr Leiden jahrelang als Geheimnis hüten.
Die vielen Fragen zum Thema „sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch“ wurden im Anschluss an die Aufführung von einem ExpertInnen-Team beantwortet!
Reinhard Gesse, Leiter der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, Dr.in Elke Tholen, Schulpsychologin, Beratungsstelle Graz, Roland Elmer, Männerberatung Graz, Gabriela Wallisch, Dipl. Pädagogin, Psychotherapeutin SF, Kinderschutzzentrum Graz, Mag.a Anita Raiger, MAS, Forensische Psychologie, Dr.in Maria Eicher, Klinische und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin und Daniela Garofalo und Ute Eberhart, LPK Steiermark, LKA, Sittlichkeitsdelikte konnten auf Grund ihrer praktischen Erfahrungen und theoretischen Kenntnisse die unterschiedlichsten Facetten von sexueller Gewalt bzw. sexuellem Missbrauch erklären.
Kristian Ditlev Jensen:
Mehrere Stunden hatte ich dagelegen und mit leerem Blick aus dem Fenster gestarrt. Immer auf dieselbe Sprosse des Fensters im Haus gegenüber. Irgendwann kam mir der Gedanke. Ich werde es sagen. Das hier werde ich eines Tages schon sagen. Ich werde es machen. Ich muss.“
„Jetzt bin ich bereit, es zu sagen. Ich hoffe, die Welt ist bereit zuzuhören.“
Wir wollen uns diesem Thema nicht nur „widmen“, wir wollen damit etwas bewegen!
„Prävention“ wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Noch immer hat der Slogan „Vorbeugen ist besser als heilen“ nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil: Eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich vorausschauend um das körperliche und seelische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen – heute auch insbesondere der Eltern und immer mehr auch der SeniorInnen – kümmert, wird gleichzeitig den Blick auf die Verhinderung von Gefahren schärfen.
„Nicht in Zuständigkeiten, sondern in Verantwortungen denken“
„Nicht in Zuständigkeiten, sondern in Verantwortungen denken“ – sich auf Augenhöhe zu vernetzen, auszutauschen, zu lernen, Antworten zu finden, gemeinsam die komplexen Problemstellungen unserer Gesellschaft lösen – das ist eine der zentralen und nachhaltigen Aufgaben und Ziele des Österreichischen Präventionskongresses.














